| Veranstaltung: | 3. Landesmitgliederversammlung 2026 | Grüne Jugend Bremen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 6.1.4. Politische Geschäftsführung |
| Antragsteller*in: | Patrizia Wolf (LV Bremen) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 06.10.2026, 18:18 |
A7: Patrizia Wolf
Selbstvorstellung
Ihr Lieben,
Dieses Jahr ist so viel passiert. Wir haben uns viele Projekte vorgenommen, sehr oft Kuchen gegessen, eine Bank gebaut und eine richtig krasse Umverteilungskampagne auf die Beine gestellt. Während der Umverteilungskampagne haben wir in der GJ Bremen viel über Räume, dritte Orte und Safe Spaces geredet. Es gab auch kleines und großes Chaos im Verband, Stress mit den Grünen und Veränderungen, mit denen niemand gerechnet hatte und für die niemand direkt eine Lösung wusste. Jetzt stelle ich mir die Frage: Was soll die GJ Bremen eigentlich für ein Ort sein?
Ich bin Patrizia, 20 Jahre alt und aus Brandenburg nach Bremen gezogen, um hier Hebammenwissenschaft zu studieren. Hier habe ich die GJ Bremen als einen Ort kennengelernt, an dem ich mich direkt wohlgefühlt habe. So kam es, dass ich 2025 erst Teil des Kampagnenteams für die Bundestagswahl und anschließend Mitglied im Bildungsteam geworden bin. Seit einem Jahr bin ich als Politische Geschäftsführung Mitglied im Landesvorstand. Meine Herzensthemen sind Gesundheitspolitik, Queerfeminismus und Inklusion. In meiner Freizeit gehe ich klettern, mache Yoga und schreibe gerne, weil ich Gedanken erst richtig sortiert bekomme, wenn ich sie aufschreibe. Das erklärt vielleicht auch, warum ich so viele Listen führe - drei Notizbücher habe ich mindestens gleichzeitig in Gebrauch.
Für mich ist die GJ Bremen ein Ort, an dem Menschen sich wohlfühlen, politisch wirksam werden, neue Perspektiven kennenlernen und gemeinsam Dinge ausprobieren können.
GJ Bremen als Ort für FLINTA*-Förderung
Das Feminismusteam ist in letzter Zeit leider etwas kurz gekommen. Dabei ist die GJ eigentlich ein Ort, an dem FLINTA*-Personen nicht nur mitarbeiten können, sondern sich wirklich wohlfühlen, sich vernetzen, gemeinsam Politik machen und manchmal auch einfach über Männer ragebaiten können. Ich möchte, dass wir diesen Raum im nächsten Jahr wieder mehr mit Leben füllen. Auf jeden Fall mit FLINTA*-Socializings, Aktionen und Bildungsarbeit. Vielleicht sogar mit dem einen oder anderen Thema auf Social Media oder in der Presse. Und vor allem mit unserem richtig mausigen Feminismusteam.
GJ Bremerhaven als Safe Space
Dieses Jahr haben wir gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, einen neuen Kreisverband aufzubauen. Aber ich möchte diesen Traum von einem stabilen Kreisverband in Bremerhaven noch nicht aufgeben. Jemand sagte einmal: „Die Menschen in Bremerhaven müssen einfach ihr Mindset ändern, dann wird das schon.“ Das sehe ich ein bisschen anders. Ein gemeinsamer Ort entsteht nicht dadurch, dass man Menschen auffordert, ihre Einstellung zu ändern. Er entsteht dadurch, dass Menschen einen Grund haben, vorbeizukommen, zu bleiben und wiederzukommen. Wenn wir mit Aktionen und regelmäßigen Treffen vor Ort präsent sind, geben wir jungen Menschen einen Grund, vorbeizukommen. Wenn wir uns mit Themen beschäftigen, die in Bremerhaven wichtig sind – zum Beispiel Bildung und soziale Gerechtigkeit –, haben junge Menschen einen Grund zu bleiben. Und wenn wir gemeinsam einen Kreisverband Bremerhaven gründen, haben junge Menschen schließlich einen Ort, an den sie wiederkommen möchten.
GJ Bremen als Ort für linken Wahlkampf
Das Open-Air-Kino in unserer Umverteilungs-Kampagne hat gezeigt, wie sehr wir Orte suchen, an denen wir Gemeinschaft erleben. Genau deshalb freue ich mich auf die Bürgerschaftswahl. Wir haben die Chance, eine Kampagne zu gestalten, die mehr ist als Plakate und Wahlkampfstände. Wir können Aktionen auf die Beine stellen, die Menschen zusammenbringen, unsere Ideen sichtbar machen und zeigen, dass linke Politik auch Hoffnung bedeuten kann.
Gerade wenn der Blick nach Ostdeutschland geht, fällt es manchmal schwer, diese Hoffnung festzuhalten. Politische Arbeit ist nicht immer leicht und wir finden nicht für jedes Problem sofort eine Lösung. Aber es lohnt sich, trotzdem anzufangen und nach einer Lösung zu suchen. Rechte Takes, Rassismus und Ausgrenzung sind keine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit. Wir brauchen linke Antworten – in der Bürgerschaft und auf der Straße. Lasst uns die Bürgerschaftswahl deshalb nutzen, um genau solche Orte zu schaffen: Orte, an denen junge Menschen zusammenkommen, sich einmischen und erleben können, dass eine andere Welt nicht nur eine Utopie ist, sondern etwas, an dem wir gemeinsam arbeiten können. Zusammen können wir kreativ werden und wieder ein Open-Air-Kino, ein Straßencamp oder ganz neue Ideen ausprobieren. Ich möchte, dass wir uns gegenseitig empowern, Spaß haben und uns gleichzeitig politisch wirksam fühlen.
GJ Bremen als Ort für neue Perspektiven
Ehrlich gesagt habe ich mich hier zwischen all den klugen Köpfen, die Politik studieren, schon sehr oft sehr verloren gefühlt. Irgendwann habe ich aber angefangen, mich nicht mehr selbst für einen Imposter zu halten, sondern meine Perspektive aus dem Studium, aus dem Kreißsaal und von einigen Hausbesuchen einzubringen.
Ich glaube, dass eine Jugendorganisation gerade von unterschiedlichen Erfahrungen lebt. Und wir müssen gleichzeitig bereit sein, unsere eigenen Perspektiven und Privilegien kritisch zu hinterfragen, miteinander in den Austausch zu gehen und unsere Komfortzone auch mal zu verlassen. So wird die GJ Bremen zu einem Ort, an dem verschiedene Menschen ihre Interessen vertreten sehen und selbst vertreten wollen. Lasst uns niedrigschwelliger werden und Menschen zeigen, dass sie nicht erst Expert*in sein müssen, um bei uns mitzumachen. Wir sollten neue Mitglieder nicht nur gewinnen, sondern auch dafür sorgen, dass sie schnell einen Platz in der GJ finden und ihre eigenen Ideen einbringen können. Lasst uns neuen Menschen zeigen, dass die GJ Bremen ihr Ort sein kann – wenn nicht zur Bürgerschaftskampagne, wann dann?
Als Politische Geschäftsführerin möchte ich dabei nicht die Person sein, die für alles einen Plan hat. Ich möchte den Überblick behalten, wenn es kompliziert wird, Strukturen schaffen, in denen andere ihre Ideen umsetzen können, und dafür sorgen, dass daraus gemeinsame politische Arbeit wird.
Ich möchte, dass wir uns trauen, Dinge auszuprobieren. Dass wir Spaß daran haben, Politik zu machen. Dass neue Mitglieder schnell ihren Platz finden. Dass wir uns gegenseitig empowern. Und dass aus vielen einzelnen Ideen eine GJ Bremen entsteht, in der möglichst viele Menschen sagen können: Hier will ich sein. Deswegen bewerbe ich mich erneut als eure Politische Geschäftsführerin.
Ich freue mich auf das nächste Jahr und darauf, diesen Ort mit euch gemeinsam zu gestalten.
- Alter:
- 20
- Ich identifiziere mich als FLINTA*:
- ja
