| Veranstaltung: | 3. Landesmitgliederversammlung 2026 | Grüne Jugend Bremen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Anträge |
| Antragsteller*in: | Feminismusteam der GRÜNEN JUGEND Bremen (Grüne Jugend Bremen) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 14.10.2026, 23:04 |
A15: Verbindlicher Workshop zu solidarischer und kritischer Männlichkeit für cis-männliche Vorstands- und Teammitglieder
Antragstext
Begründung
Auch wir als linker politischer Jugendverband sind nicht davor geschützt,
patriarchale Denkmuster innerhalb unserer eigenen Strukturen zu reproduzieren
oder dass sich unsere Mitglieder, die in diesem System sozialisiert sind,
patriarchal verhalten. Dies erkennen wir an und machen es uns zur Aufgabe,
solche Verhaltensweisen und Denkmuster nicht nur in unseren spezifischen
Strukturen zu erkennen, sondern sie auch kritisch zu reflektieren und
konsequente Maßnahmen dagegen zu ergreifen.
Insbesondere müssen wir anerkennen, dass die kritische Auseinandersetzung mit
patriarchalen Strukturen und die Dynamiken innerhalb unseres Verbandes oftmals
maßgeblich von Personen in Verantwortungspositionen geprägt werden.
Der Landesverband sowie der Bundesverband haben in der Vergangenheit bereits
eine Vielzahl allgemeiner Workshops zu solidarischer Männlichkeit für cis-Männer
angeboten. Dies ist positiv hervorzuheben. Aufgrund der besonderen Verantwortung
und Machtkonzentration innerhalb von Vorständen und anderen Positionen mit
Entscheidungsbefugnissen braucht es jedoch einen weiterführenden Workshop, der
insbesondere die Themen behandelt, mit denen sich cis-Männer in
Verantwortungspositionen auseinandersetzen müssen. Ziel muss es sein,
sicherzustellen, dass unser Verband trotz bestehender Hierarchien und der
Machtkonzentration bei cis-männlichen Team- und Vorstandsmitgliedern ein Safer
Space für FLINTA*-Personen bleibt, beziehungsweise wird.
Dies ist sowohl für die Basismitglieder unseres Verbandes als auch insbesondere
für FLINTA*-Personen relevant, die mit den jeweiligen Personen in Teams oder
Vorständen zusammenarbeiten. Für cis-Männer bietet diese Form der Weiterbildung
zugleich die Chance, Werkzeuge an die Hand zu bekommen, um bereits Erlerntes
aufzuarbeiten, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren und Sicherheit
darin zu gewinnen, wie eine tatsächlich solidarische Haltung gegenüber FLINTA*-
Personen gelebt werden kann. Unser Ziel muss es sein, einen Verband zu schaffen,
in dem sich alle Mitglieder wohl und sicher fühlen können.
Beschluss
Daher beschließt die Grüne Jugend Bremen, dass mindestens einmal jährlich zu
Beginn des Verbandsjahres, spätestens innerhalb der ersten drei Monate, ein
Workshop zu solidarischer und kritischer Männlichkeit für cis-Männer in
Vorstands- und Teampositionen durchgeführt wird. Darüber hinaus sollen cis-
männliche Basismitglieder, die sich bereits seit längerer Zeit im Verband
engagieren, zur freiwilligen Teilnahme ermutigt werden.
Die Erarbeitung des Workshops soll vom Feminismus-Team unter Leitung des*der
Koordinator*in für Geschlechterstrategie des Landesvorstands durchgeführt
werden. Sollte diese Position nicht besetzt sein, übernimmt ein vom
Landesvorstand bestimmtes Mitglied die Koordination des Workshops. Die übrigen
Mitglieder des Landesvorstands sollen den Prozess unterstützen und begleiten.
Der Workshop soll in einzelne Blöcke gegliedert sein, die unterschiedliche
Themenbereiche abdecken. Im Vergleich zu bisherigen Workshopangeboten soll er
insbesondere auf konkrete negative Erfahrungen und Situationen eingehen, die
FLINTA*-Personen im Umgang mit cis-Männern in Verantwortungspositionen innerhalb
des Verbandes erleben können. Diese Situationen sollen anhand konkreter
Fallbeispiele durchgespielt und aufgearbeitet werden, um angemessene
Verhaltensweisen und Handlungsmöglichkeiten für die jeweiligen Situationen zu
erarbeiten. Darüber hinaus soll eine kritische und kontinuierliche Reflexion
gesellschaftlich geprägter Männlichkeitsbilder und ihrer Auswirkungen auf die
Verbandsdynamiken stattfinden.
Bei der Erarbeitung des Workshops können sich das Feminismus-Team und die
zuständigen Mitglieder des Landesvorstands an bereits bestehenden
Workshopkonzepten und Materialien des Geschlechterstrategie-Teams auf
Bundesebene sowie an Materialien anderer Landesverbände orientieren und diese
gegebenenfalls weiterentwickeln.
Um eine flexible Teilnahme zu ermöglichen und den Workshop besser mit der
alltäglichen Verbandsarbeit vereinbaren zu können, soll dieser in verpflichtende
Kernblöcke und ergänzende Vertiefungsblöcke unterteilt werden. Die Kernblöcke
sollen in einem kürzeren Format durchgeführt werden können, sodass sie leichter
in die Verbandsarbeit integriert und bei Bedarf wiederholt werden können. Die
Teilnahme an den ergänzenden Vertiefungsblöcken wird dringend empfohlen und soll
entsprechend den zeitlichen und personellen Kapazitäten der Teilnehmenden
ermöglicht werden.
Welche Inhalte zu den verpflichtenden Kernblöcken gehören und welche als
ergänzende Vertiefungsblöcke angeboten werden, soll gemeinsam vom Feminismus-
Team und den zuständigen Mitgliedern des Landesvorstands festgelegt werden.
Zum Abschluss des Workshops sollen den Teilnehmenden Instrumente für die
Reflexion über den Workshop hinaus vermittelt werden, beispielsweise in Form
eines Reflexionstagebuches wie es das Bundesteam für Geschlechterstrategie
entwickelt hat. Das Feminismus-Team soll die Möglichkeit erhalten, dieses
Material an die spezifischen Bedürfnisse und Gegebenheiten des Landesverbandes
anzupassen. Diese Hilfsmittel sollen dazu beitragen, die Inhalte des Workshops
nachhaltig in den Alltag zu integrieren und die kontinuierliche
Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten zu fördern.
Darüber hinaus soll der Workshop kontinuierlich innerhalb des Feminismus-Teams
oder zukünftig vergleichbaren Strukturen der Grünen Jugend Bremen evaluiert und
weiterentwickelt werden. FLINTA*-Personen im Verband sollen ausdrücklich dazu
ermutigt werden, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen in diesen Prozess
einzubringen. Ihre Perspektiven sollen bei der Überarbeitung und
Weiterentwicklung der Workshopinhalte berücksichtigt werden.
Durch die Erarbeitung, Durchführung und fortlaufende Evaluation des Workshops
innerhalb der Strukturen der Grünen Jugend Bremen soll sichergestellt werden,
dass die spezifischen Bedürfnisse und Erfahrungen der Mitglieder dieses
Verbandes angemessen berücksichtigt werden. Auf diese Weise sollen die
Sicherheit, Solidarität und queerfeministische Intersektionalität im
Landesverband verbessert werden, sodass insbesondere cis-Männer in
Verantwortungspositionen ihre Verantwortung wahrnehmen, bestehende patriarchale
Verhaltensweisen kritisch reflektieren und aktiv zu einem solchen Verband
beitragen.
Begriffsdefinition: FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche,
nicht-binäre, Trans* und agender Personen.
